Kiezmenschen

Kiezmenschen

Auf 'ne Buddel ...

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00:00:02: Keatsmenschen, der Podcast zur Serie der Hamburger Morgenpost.

00:00:05: Unterstützt werden wir von kultkeatstouren.de.

00:00:08: Kultkeatstouren will mit uns auch die Geschichten der Menschen erzählen wie St.

00:00:11: Pauli ausmachen aber in der Öffentlichkeit zu kurz kommen.

00:00:14: Viele der Geits sind übrigens auch Kiezmenschen und waren schon selbst bei uns im Podcast zu Gast.

00:00:18: Wer genau findet ihr auf kultkietztouren.de?

00:00:21: slash Kiezmenschen?

00:00:22: Moin zusammen, willkommen bei Kiez Menschen!

00:00:24: Heute mit mir Wiebke Bromberg und Marius Röhr und Kult-Kobra.

00:00:29: Fabian Zart ist heute leider nicht mit am Start weil er verhindert ist.

00:00:34: Wir begrüßen Michael Enat Schau Spielerkabarettist Regisseur Produzent Drehbuchautor Meine Güte Und neuerdings Autor Eine St.

00:00:44: Pauli Buches, hallo lieber Michael!

00:00:46: Hallo vielen Dank für die Einladung.

00:00:48: Meine Güte du hast echt viele Jobs hier.

00:00:51: Ja ja und ich glaube ich habe keine Ausbildung jemals zu Ende gemacht.

00:00:58: Ich glaube ich hab alles immer nur angefangen Und ausprobiert und dann bin ich direkt ins Machen gegangen.

00:01:03: Also ich bin ein halbes Jahr vor meinem Abitur habe ich die Schule verlassen und bin auf die Schauspielschule gegangen Und eigentlich sollte die Ausbildung drei Jahre dauern.

00:01:12: Da bin ich aber nach zwei Jahren schon ans Theater gegangen, hatte ein zweijahres Vertrag am Residenztheater in München.

00:01:17: Hab das aber nach einem Jahr schon abgebrochen und hab da nur noch mein eigenes Zeug gemacht,

00:01:21: d.h.,

00:01:23: Theaterstücke geschrieben, Drehbücher geschrieben, Regie geführt – ja, jetzt eben tatsächlich meinen ersten Roman!

00:01:30: Also bist du nicht so der Typ, der lange dabei ist bei Sachen?

00:01:33: Doch ich bin sehr, sehr lange bei Sachen dabei.

00:01:35: Aber immer gerne auf meiner eigene Art.

00:01:37: Weißt Du denn gerade mein Roman ist ein gutes Beispiel dafür weil er ist zwar jetzt erschienen im April sechs von zwanzig aber die erste Idee für die ganze Geschichte stammt aus dem Jahr zwei tausend vierzehn.

00:01:49: Hast ein bisschen gebraucht zum schreiben

00:01:52: Ja ja nein Ich habe einfach sehr lange und intensiv recherchiert.

00:01:56: Ich war damals in München bei einem Filmproduzenten und hab dem verschiedene Sachen gepitscht, wie man das als Drehbuchauto so macht.

00:02:02: Und habe ihm verschiedene Sachen vorgeschlagen... ...und er ist nicht so richtig angesprungen auf eins davon!

00:02:07: Dann kam wir uns plaudern.

00:02:09: Ich habe so erzählt von meiner Vergangenheit dass ich in Mürmelmannsberg aufgewachsen bin und wieder so war als Punk mit den ganzen Bombergruppen rundherum und den Skinheads.

00:02:19: Dass ich dann irgendwann ins Carolineviertel gezogen bin, ins Viertel meines Vaters der da Polizist war an der Wache XVI.

00:02:26: Und dann hab ich ihm das erzählt und erzählt, erzählte immer weiter.

00:02:29: Dann natürlich auch die ganzen Kiez-Hintergründe inklusive Hamburger Kessel und Muggi Pinzner Morde was in den Siebziger und Achtziger Jahren so relevant in Hamburg war auf dem Kiez.

00:02:40: Irgendwann sagte der zu mir, schreib das!

00:02:43: Ich dachte nachdem ich eine Stunde geredet hatte, was meint sie jetzt genau?

00:02:46: Er sagt ja alles, schreibt das alles auf!

00:02:50: Tatsächlich angefangen das zu schreiben und ursprünglich, weil die Idee aus diesem ganzen Material einen Dreiteiler für es öffentlich-rechtliche Fernsehen zu machen.

00:02:59: AD oder ZDF oder sowas.

00:03:01: Das war das Größte was wir uns damals vorstellen konnten.

00:03:04: Dann habe ich lange an diesem Stoff gearbeitet, geplant drei Teile zu machen.

00:03:09: Und dann kam aber zwischenzeitlich die Streamer auf den Markt und plötzlich gab es so was wie Netflix.

00:03:14: Und da tauchte die Idee auf, zu sagen wieso sollen wir denn drei Teilen a-neinzig Minuten machen?

00:03:19: Wir machen einfach drei Staffeln als zehn Folgen.

00:03:21: Wir machen's richtig fett!

00:03:22: So ja... Und dann hab' ich das weiterentwickelt eben auf diese Staffeltauglichkeit hin.

00:03:27: und dann kam glaube ich zwei Tausend Achtzehn Die Meldung dass Amazon Luden macht Also eine St.

00:03:34: Pauli-Serie aus Perspektive der Zuhälter.

00:03:37: und das war natürlich ein Schlach ins Kontor, weil es ne zweite St.Pauly-Series ist.

00:03:42: und zum anderen war ich total genervt, weil ich St.Pauli eben nicht aus der Rotlichtperspektive erzählen wollte sondern aus Sicht der Polizisten.

00:03:51: Und für die Leute, die das nicht wissen Es gibt zwei Wachen auf St.Paulie.

00:03:55: Das eine ist die Fünfzehn Ist die Davidwache Die kennt eigentlich jeder, die ist ja weltbekannt Ja Und darüber hinaus gibt es die Wache XVI.

00:04:03: Die war früher an der Budapester Straße, ist heute einer Lerchenstraße und wurde damals immer so als die kleine dreckige Schwester der Davidwache bezeichnet weil sie wirklich in einem etwas dreckigeren Viertel lagen.

00:04:14: und genau darum ging's.

00:04:18: und das wollte ich erzählen.

00:04:20: Und dann kam nun die Meldung, ja, Luden auf Amazon und für eine zweite St.

00:04:26: Pauli-Serie ist kein Platz.

00:04:27: Dann waren wir erstmal wahnsinnig frustriert haben das Material lange liegen lassen.

00:04:32: Hast du halt weggeschmissen in die Ecke?

00:04:35: Nein!

00:04:35: Ich kenne es natürlich schon als Theaterautor und Drehbuchautor dass Du oft Dinge entwickelst die dann Zeit brauchen.

00:04:42: manchmal geht's ganz schnell manchmal braucht es sehr lang.

00:04:45: Und dann haben wir einige Jahre später, ein zwei Jahre später einen Entwicklungsauftrag von Sky bekommen für diese Serie.

00:04:54: Dann habe ich angefangen für Sky eine mehrteilige Serie über die Wache XVI zu schreiben und dann ist Sky irgendwann aus der Produktion von deutschen Inhalten komplett ausgestiegen.

00:05:05: Ich hatte nach zehn Jahren gefühlte Neunundsechzigtausend Seiten, Recherchematerial zum Thema Wache sechzehn.

00:05:16: Zu Anekdoten die mir Polizisten erzählt haben kleine lustige Anek-Doten manchmal hochdramatische Lebensgeschichten und natürlich auch große Teile unserer Familiengeschichte also die Geschichte meiner Eltern meine eigene Geschichte als Punk mein Vater als Bulle Meine Mutter, die Mitte der Siebziger ihr lesbisches Coming-Out hatte und sehr interessantes Material.

00:05:41: Und dann hab ich gedacht, das ist wirklich ein Projekt.

00:05:44: Das will ich nicht in der Schublade liegen

00:05:46: lassen.".

00:05:46: Das passiert einem wie gesagt als

00:05:47: ... War ja auch mega frustrierend.

00:05:50: dann auch oder?

00:05:50: Total!

00:05:51: Zweimal irgendwie zum Greifen nahe und dann zack nöt doch nicht.

00:05:56: Ja genau.

00:05:57: Und das ist natürlich eine Frustration mit der muss man lernen umzugehen als Drehbuchautor oder Theaterautor.

00:06:03: dass man Ideen hat die dann letzten Endes nie verwirklicht werden

00:06:07: wird man dafür wenigstens bezahlt.

00:06:09: schlecht wirklich schlecht.

00:06:11: Ich glaube, ich habe in zwölf Jahren mit dem Projekt dreißigtausend Euro verdient.

00:06:17: Also... Davor kannst

00:06:18: du nicht leben!

00:06:20: Und das war wirklich ein Fulltime-Job also sehr viel Arbeit.

00:06:24: Egal mir war wichtig dass eben die Familiengeschichte von uns die Geschichte meines Vaters ist, die wirklich erzählt wird in einem fertigen Werk.

00:06:33: und dann hab' ich meinen ersten Roman geschrieben und ich wusste gar nicht wie es geht Weil, kannst du dir vorstellen bei Theaterstücken oder Drehbüchern.

00:06:41: Da geht es immer sehr stark um Dialoge und ich glaube, ich bin ganz gut im Dialog schreiben.

00:06:46: aber einen Roman zu schreiben hat noch mal eine andere Aufgabe.

00:06:50: ja musste irgendwie ein anderer Art finden zu schreiben.

00:06:54: Und dann habe ich gegoogelt was braucht man?

00:06:57: Um Roman zu schreiben?

00:06:58: und die Antwort war ein Computer in der Tastatur.

00:07:01: und dann hab ich's gemacht

00:07:03: Aber du hast keine nicht nochmal irgendeinen Kurs belegt?

00:07:05: Nein, nein.

00:07:06: Oder die von anderen Autoren Tipps geholt oder... Nein!

00:07:10: Ich habe selber immer sehr viel gelesen und schon immer geschrieben und für mich ist es ein Fest zu schreiben.

00:07:16: Ich hab einfach richtig Spaß am Schreiben.

00:07:20: Mich kannst du wirklich mit meinem Rechner in der Tasse Kaffee über forty- acht Stunden allein lassen und mir wird nicht langweilig weil ich schreiben kann.

00:07:28: Und so war es bei dem Roman auch.

00:07:30: Ich hab dann aus dem Material innerhalb eines Jahres einen fertigen Roman geschrieben, aber noch länger als diesen Roman zu schreiben hat das gedauerten Verlag zu finden.

00:07:40: Ja?

00:07:40: Das ist nicht

00:07:42: einfach!

00:07:43: Papier ist

00:07:44: teuer?!

00:07:46: Der Hauptpunkt ist also wenn du dich an die großen Verlage wendest wie ich das getan habe am Surkamp Rohvold Pieper oder irgendwie sowas... Dann lesen sie das gar nicht was du den schickst oder ihn anbietest zu schicken.

00:07:57: Sondern die sagen, worum geht's?

00:07:59: Und dann skizzierst du das kurz und dann sagen sie will der Buchmarkt nicht.

00:08:03: Der Buchmarkt will ein Regionalkrimi wo einen Kommissar auf Hittensee Urlaub macht und eine Leiche findet und rausfindet wer es war entweder dass...

00:08:13: ...der Kommissard auf jeden Fall ein Alkoholproblem hat keine feste Freundin und auch keine Frau hat sehr viele Affären.

00:08:18: Das muss

00:08:19: auch genau beschrieben werden in dem Buch!

00:08:21: Das sind die Variablen.

00:08:22: dann aber ist halt immer dieser klassische Krimiplott im weitesten Sinne.

00:08:26: Oder es ist eine Geschichte über zwei junge Menschen, die sich im Internat kennenlernen und ineinander verlieben.

00:08:33: Und feststellen dass sie magische Kräfte haben.

00:08:35: so das läuft.

00:08:36: Das findest du in jeder Buchhandlung hundertfach und das wird auch immer mehr verlangt von den Verlagen weil Sie wissen Es wird einfach gekauft.

00:08:44: Und eine Geschichte aus den Siebzigerjahren über eine Polizeieinheit, über Menschenhandel, über Prostitution.

00:08:50: Etwas was im weitesten Sinne gar nicht lustig ist weil ich komme ja eigentlich eher aus der Comedy.

00:08:55: Ich habe sehr viel Comedy-Schauspiel gemacht.

00:08:59: Das wollten die nicht und deshalb musste ich dann.

00:09:03: tatsächlich hab denn noch eine Literaturagentin in München angerufen und in der Hoffnung dass sie mir einen Verlag suchen kann.

00:09:11: Und dann sagte die, sie spielt doch selber mit in dem Roman.

00:09:15: Wie alt waren Sie denn da?

00:09:16: Dann hab ich gesagt, ja, dann ist das ein Jugendroman!

00:09:20: Nein es ist kein Jugendromant, es geht um Prostitution und so.

00:09:23: Aber ja, sie fahren noch dreizehn, dann isst es ein Jugendroman.

00:09:27: Mit der war nicht zu verhandeln.

00:09:28: Und dann habe ich glücklicherweise von der gute Leudefabrik Lars Meyer getroffen.

00:09:33: Der ist sehr gut vernetzt hier in Hamburg... Und der hat mir dann den Kontakt zum Junius-Verlag beschafft.

00:09:39: Und Steffen Herrmann, der Verleger, der hat den Roman gelesen und fand das einfach super!

00:09:46: Dass es wirklich jenseits dessen ist was man normalerweise auf dem Buchmarkt so haben möchte.

00:09:52: Der ist da voll drauf angesprungen... ...und ja, dann

00:09:57: zack,

00:09:58: wie lange?

00:09:59: Zwölf Jahre später war's plötzlich ein Roman.

00:10:02: Wie war das als du dann ... deine Exemplare zugeschickt bekommen hast in einer Pappkarton aufgemacht.

00:10:12: Ja, ich stelle wirklich nach so einer langen Zeit und man muss ja sagen der Verlag ist wirklich toll weil die bringen mal andere Bücher auf dem Markt und gucken nicht nur darauf wie können wir hier möglichst viel Kohle rauspressen und qualitativ total hochwertig wirklich tolle Bücher.

00:10:31: Wie war das, als du dieses Paket geöffnet hast?

00:10:34: Das war schon toll.

00:10:35: Weil diese wahnsinnig lange Vorlaufzeit hatte und ... Man hat so was in der Hand.

00:10:42: Beim Theaterstück hast du auch ein Endergebnis auf der Bühne aber wenn du das abgespielt hast ist es wieder weg aus der Welt.

00:10:49: Es bleibt nichts Materielles da.

00:10:52: Aber diesen Roman zu haben, den meinen Kindern geben zu können, möchte dir etwas über euren Großvater erfahren, les mal.

00:11:00: Das ist schon geil!

00:11:01: Schon echt cool.

00:11:02: Und das ist ja tatsächlich was für die Ewigkeit im Prinzip?

00:11:08: Ja, es ist was, was bleibt!

00:11:10: Ja genau, also letzten Endes ist nicht für die Ewigkeit und wer

00:11:14: weiß... naja vielleicht findet das in zweihundert Jahren irgendwer hinten ein Bücherregal bei Buddy oder so sortiert das auch.

00:11:21: Ich finde schon, ich finde da dass es schon eine sehr emotionale Bindung hat, die man zu einem Werk dann hat.

00:11:27: Ja, ich habe auch wirklich ganz, ganz tolle Rückmeldung gehabt von Leuten die den Roman schon gelesen haben.

00:11:34: Unter anderem eben ehemalige Kollegen meines Vaters, die selber an der sechzehn Dienst gemacht haben in den Siebzigern und Achtzigern.

00:11:41: Und einer von denen hat etwas ganz Tolles gesagt, er hat gesagt, ja genau genommen ist das nicht hundertprozentig so passiert wie du es da geschrieben hast.

00:11:49: aber genauso ist es gewesen.

00:11:52: Das war genau das was ich mir gewünscht hab weil ich wollte nicht explizit So der Hamburger Geschichtsschreiber sein, der quasi bei Wikipedia recherchiert.

00:12:01: Wie war das denn jetzt und die einschlägige Literatur liest?

00:12:04: Und so sondern ich habe den Leuten zum Teil auch anderen Namen gegeben.

00:12:08: Ich hab einige Figuren zusammengefasst weil du natürlich bei einem Roman auch immer nur eine bestimmte Anzahl von Leuten wirklich erzählen kannst Dass es nicht zu ausufern wird.

00:12:18: Ich habe jetzt sechs Hauptfiguren.

00:12:19: Das ist schon ne Menge Und deshalb musste ich bestimmte Figuren, bestimmte Mentalitäten, bestimmten Atmosphären einfach zusammenlegen oder wie ich gerne sage, zusammen repern.

00:12:31: Das ist ja etwas was viele Leute nicht wissen.

00:12:35: warum die Reperbahn-Reperbahn heißt es hängt damit zusammen dass hier Tauel für Schiffe hergestellt wurden.

00:12:43: Und die Rehbarbahn ist deshalb so lang, weil diese Tauhe eben lange geflochten wurde und das fängt an ganz klein mit einzelnen Fasern, die ineinander verdrillt werden.

00:12:52: Dann werden daraus nach und nach große stabile Tauhae.

00:12:57: Genau genommen war meine Arbeit an diesem Roman sehr ähnlich.

00:13:00: Ich habe ja nicht eine Grundidee gehabt, die ich langsam sukzessive ausgebaut hab, sondern ich habe wirklich hunderte von kleinen Geschichten gehabt hunderte einzelne Fasern, die ich zu einem großen Erzählstrang zusammenreparen musste.

00:13:15: Und das war eigentlich meine Hauptaufgabe.

00:13:17: Du bist der Rebschläger?

00:13:19: Das ist ja cool!

00:13:20: Meine Güte... du zweites Standbein.

00:13:22: Ja

00:13:22: genau, kann ja

00:13:23: noch mal interessant werden.

00:13:24: Wer weiß, wer vielleicht auch nochmal gebraucht

00:13:25: wird.

00:13:26: Ich lese dein Buch hier auch gerade wie ich dir schon gesagt habe und ich leider nicht ganz fertig geworden.

00:13:30: also ich finde es wirklich toll geschrieben.

00:13:34: Habe ich jetzt gar nicht unbedingt bei jemandem, der so viele andere Jobs hat, hab' ich jetzt garnicht erwartet.

00:13:39: Da hast du einen Schauspieler und Drehbuchautor.

00:13:42: Was ist ein Buch zu schreiben?

00:13:44: Ein gutes Buch zu schreiben, ich war ganz überrascht!

00:13:47: Ja schön, dass Du das sagst aber tatsächlich habe ich angefangen zu schreiben vor fünfzig Jahren als ich acht Jahre alt war da hatte mein älterer Bruder einen Motorradunfall mit Fahrerflucht und so ganz übel und der musste danach ein halbes Jahr im Krankenhaus liegen Und ich war ganz klein und wollte mir irgendwas Gutes tun.

00:14:08: Und habe ihm dann eine Kurzgeschichte geschrieben, die er lesen konnte.

00:14:11: Irgendwas über Wikinger oder irgendwie sowas – keine Ahnung weiß ich nicht mehr!

00:14:14: Aber das ist in meiner Erinnerung das erste Mal dass ich ein eigenes Werk geschrieben habe.

00:14:20: Das Schreiben begleitet mich eben seit einem halben Jahrhundert, seit fünfzig Jahren Und auch wenn ich dann später eine Schauspiel-Ausbildung gemacht habe und bis heute hauptsächlich als Schauspieler arbeite, ist schreiben mir mein ganz, ganz wichtiger Teil von mir.

00:14:36: Ich erzähle einfach wahnsinnig gerne Geschichten – und ich glaube, wenn man das viel tut in Kurzgeschichten oder auf der Theaterbühne oder in Drehbüchern, dann ist es nicht mehr so ein ganz großes Hexenwerk, eine gute Geschichte auch in Romanform zu erzählen.

00:14:51: Ja,

00:14:51: aber ich glaube es ist schon auch noch ein Unterschied.

00:14:54: Du wirst jetzt bestimmt nur nach Romana schreiben.

00:14:57: Nächstes Mal mit Schauspielerei?

00:14:59: Ja, witzig dass du das sagst weil tatsächlich habe ich ja die Zeit zwischen neunzehnhundertsechs und siebzig und sechsohnachtzig recherchiert Weil sixundachtzig eben diese wirklich einschneidenden Erlebnisse waren, dass A. die Wache sechzehn von der Budapester umgezogen ist in die Lärchenstraße und zum anderen gab es den Hamburger Kessel und die Pinzner-Morde.

00:15:19: Also das war ein sehr einschneebender Moment für die Hamburger Polizei gewesen.

00:15:25: Und deshalb wollte ich die Geschichte vom Sechsundsiebzig bis Sechsunachtzig erzählen des Romans gerade mal die ersten zwei Jahre.

00:15:36: Ich war grad

00:15:37: sagen, also ich bin mit Sicherheit über die Hälfte des Bundes hinaus und es ist definitiv Siebziger?

00:15:42: Ja absolut!

00:15:43: Also Frieder-Schulz,

00:15:46: Kiezparte, Eros-Center-Messerstecherei und Hells Angels Rockerkrieg das ist Siebzieger gewesen.

00:15:54: Absolut!

00:15:55: Und deshalb hoffe ich halt sehr dass Der Roman sich so gut verkauft und der Verlag Interesse daran hat, noch einen zweiten oder dritten Band zu machen.

00:16:06: Weil dann könnte ich die Geschichte wirklich zur Ende erzählen... Wichtige und Interessante ist ja, dass ein Großteil dieser Figuren sind reale Figuren.

00:16:15: Die haben eine zu Ende erzählte Geschichte.

00:16:17: Und die möchte ich natürlich zu Ende erzählen.

00:16:19: Jetzt endet Hamburg-Wache XVI mit einem gewissen Cliffhanger auch ... So viel kann ich dir schon mal verraten!

00:16:26: Na toll!

00:16:27: Nein, es werden bestimmte Geschichten auch zu Ende erzählt aber darüber hinaus gibt es noch so ein paar lose Fäden, die nochmal neu gerepert werden müssen.

00:16:38: Hast du dir gleich für dein zweites Standbein die Tür offen gehalten?

00:16:41: Ganz

00:16:41: genau.

00:16:42: Das

00:16:42: hast du ganz klar gelöst!

00:16:44: Wie diese Netflix-Serien, die einfach mal aufhören und dann gehst du sofort auf Google und guckst, gibts da noch eine Staffel... Eventuell, also vielleicht.

00:16:57: Ja

00:16:57: es ist halt immer ein Markt und entweder das verkauft sich oder verkauft nicht und dann ist den Produzenten eben auch egal ob die Leute mit einer halbfertigen Geschichte zurückgelassen werden oder nicht.

00:17:10: Das interessiert keinen, das interessiert in der Regel nur die Zuschauer und den Autor aber nicht den Produzenten.

00:17:16: Ja, da kennst du dich aus.

00:17:18: Da kenne ich mich nicht mit Aussicht und in dem Fall nur Konsument.

00:17:22: Glaub' ich eine relativ harte Welt kann ich mir vorstellen... Total!

00:17:27: ...in der Du da beruflich unterwegs bist?

00:17:30: Das ist auch echt schwierig sich dazu behaupten wenn man einen eigenen Kopf hat, wenn man auf eine bestimmte Art und Weise seinen Job machen möchte, wenn er ein bestimmtes Kultur- und Kunstverständnis hat.

00:17:45: Es gibt einen Grund, warum ich nach einem ersten Fest-Engagement am Staatstheater gesagt habe.

00:17:51: Ich arbeite nur noch frei!

00:17:53: Ich mache nur noch mein eigenes Ding und bin nur noch ein eigener Produzent weil es nicht ertrage dass mir Leute die ich zum Teil als inkompetent kennenlerne oder als lieblos in meine Kunst reinquatschen und ich halte auch nicht viel davon das Kunst so demokratischer Prozess ist, sondern es gibt einen Menschen der eine Idee hat.

00:18:18: Und da muss man alles als Produzent in der Regel eigentlich alles aus dem Weg räumen um diese Kreativität sich voll entfalten zu lassen und das kann nicht sein dass ein Produzent, ein Redakteur oder wer auch immer noch irgendwie eine Agenda hat was man in der Geschichte auch noch erzählen sollte weil dann verbessert das in der regel und wird Banane und dann haben wir halt ZDF vorabend.

00:18:42: Ja da, ich kann mir vorstellen dass es in deiner Branche sehr viele Menschen gibt die sich für sehr wichtig halten und gerne... Tut mir leid also ich kann's mir so vorstellen.

00:18:51: Und gerne alle!

00:18:53: mitreden möchten.

00:18:56: Ja, und da muss man wirklich so eine gewisse Psychohigiene auch walten lassen und sagen wie oft gebe ich mir das?

00:19:01: Es gibt ja bestimmte Projekte die sind so groß die kannst du in der Regel nicht alleine machen.

00:19:06: selbst ganz große Hollywood Stars wie George Clooney oder so die sind ja darauf angewiesen dass sie mit Produktionsfirmen klar kommen wenn Sie keine eigene Produktionsförmer haben.

00:19:16: und selbst dann selbst wenn sie eine eigene Firma haben müssen sie mit den Verleiern klarkommen.

00:19:20: also es ist immer ein Riesenprojekt.

00:19:23: Wenn du einen Film machen willst, musst du dich mit anderen Leuten vernetzen.

00:19:27: Dann musst du Kompromisse finden und durch das Nadelöhr des Zusammenreeperns als Team gehen.

00:19:36: Beim Theater ist es nicht so, dass ich meine Stücke selber schreibe.

00:19:41: Genauso wie ich es cool finde.

00:19:43: Das würde ich auf der Bühne sehen.

00:19:46: Und dann bezahle ich die Regie und die Ausstattung und die Werbung und schicke das auf Tournee.

00:19:53: Also ich bin quasi nicht nur Autor und Schauspieler, sondern auch Produzent meiner eigenen Arbeit.

00:19:58: Und dadurch bin ich total frei!

00:20:00: Das geht – das kann ich im Theater machen, weil ein Theaterstück zu produzieren kostet, weiß ich nicht, zwanzig, dreißig, vierzigtausend Euro.

00:20:08: Wenn du weißt, du spielst es viel dann amortisiert sich das auch, denn ist alles cool.

00:20:12: Aber wirklich einen Kinofilm selber zu produziern auf eigene Kappe, das ist meiner Meinung nach und meine Erfahrung nach nahezu unmöglich?

00:20:22: Machst du lieber dein eigenes Ding.

00:20:24: Hörst du besser mit?

00:20:26: Ja!

00:20:26: Aber Theater ist auch irgendwie, ich finde Theater so ehrlich...

00:20:30: Ich habe lustigerweise die Schauspielschule angefangen und hatte null Ahnung von Theater.

00:20:35: Das einzige was ich an Theater kannte war das Ohnsorgtheater was ich vielleicht mal im Fernsehen gesehen hatte oder das Weihnachtsmärchen was uns in der Schule gezeigt wurde.

00:20:43: Und mehr Theatererfahrung hatte ich nicht.

00:20:45: Ich bin zur Schauspilschule gegangen weil ich der totale Filmfreak war RUMBO ROCKY, die ganzen Geschichten.

00:20:52: Wo ich dachte, geil will ich auch ein Action-Held sein?

00:20:57: oder einfach dieses Medium ganz toll fand.

00:20:59: Der Pate ... großartige Dinge, wo ich dachte das will ich tun.

00:21:05: und dann wurde in der Schauspielschule mit Theater konfrontiert und hatte da erst mal so wie eine Hilfskunst.

00:21:13: Das macht man wenn man keine Filme machen kann.

00:21:15: Und dann habe ich nach und nach erst begriffen welche unglaublichen Möglichkeiten du im Theater hast.

00:21:22: Du hast natürlich nie die Verbreitung wie ein Film, ja?

00:21:27: Ein Film hat im Idealfall einen zwei drei Millionen Zuschauer in Deutschland im Kino.

00:21:33: so was werde ich...so viele Zuschauer werde ich in meinem ganzen Leben nicht haben im Theater egal wie viel ich spiele selbst wenn ich jeden Abend irgendwie zweihundert, dreihundert, vierhundert Leute habe.

00:21:43: und trotzdem Trotzdem gelingt es mir im Theater, den Leuten auf eine Art und Weise was mitzugeben wie's ein Film nicht kann.

00:21:52: Und das erfahre ich zum Beispiel dadurch dass ich während der Schauspielschule Zeit habe ich meinen Kollegen Bader kennengelernt.

00:22:00: Christian Bader hat ja immer noch den Caveman hier am Tivoli spielt.

00:22:04: Wir sind auf dieselbe Schule gegangen und er hat viel Straßenmusik gemacht.

00:22:08: Ich hab so Polittheater auf der Straße gemacht.

00:22:10: wir haben uns zusammengefunden und haben uns das Bader-Enat-Kommando genannt, sind damit dann am Anfang der neunziger Jahre an Schulen gegangen.

00:22:21: Und haben sehr wilde, sehr durchgeknallte, sehr lustige Stücke zum Thema Klimakatastrophe gemacht.

00:22:27: Das war damals für viele Leute noch gar kein Thema.

00:22:29: So war es Klimakatastrofe.

00:22:31: Ja ja genau!

00:22:32: Da waren wir sehr früh dabei Und das Interessante war, dass wir frisch von der Schauspielschule mit Anfang Mitte zwanzig gar nicht so weit weg waren von den Zuschauern die vor uns saßen.

00:22:41: Die waren so siebzehn-achtzehn und viele von denen oder immer wieder passiert ist, dass Leute kommen und sagen du bist damals in meiner Schule gewesen und hast mir die Schneesucher gezeigt.

00:22:53: Das war unser erstes Stück Und seitdem esse ich kein Fleisch, ich fahre kein Auto und ich kämpfe den Erhalt der Regenwälder.

00:23:00: Und denkst so wow was für ein Impact haben wir da hinterlassen?

00:23:04: Ja!

00:23:06: Manche Leute sind halt wahnsinnig berührt und das ist etwas was im Theater oft stärker möglich ist als in einem Film insbesondere dann... Wenn irgendetwas passiert, was nicht vorgesehen ist.

00:23:19: Die Leute lieben das ja.

00:23:20: wenn ein Scheinwerfer ausfällt oder ein Handy klingelt oder eine Requisite... Super!

00:23:26: ...kulisse zusammenbricht und

00:23:27: irgendwie so.

00:23:28: wie

00:23:28: reagiert er drauf?

00:23:29: Weil das ist der Live Moment wo die Leute wissen dass im Film werden wir niemals einen wirklichen Kontakt zu dem Schauspieler haben.

00:23:38: aber hier auf der Bühne haben wir das und der kommt runter und spricht zu mir macht was, was nur heute Abend so ist und niemand wird das jemals wieder so sehen.

00:23:49: Und ich glaube dieses Live-Erlebnis ist gerade im Hinblick auf KI – auf das, was uns noch erwartet an Fake-Videos, an permanenten Zuballerungen mit irgendwelchen Videos – wird dieses Live Event immer wichtiger und wird immer bedeutungsvoller für die Leute?

00:24:06: Aber nicht nur für die Entschuldige.

00:24:09: Nicht nur für die Leute, sondern wahrscheinlich auch für dich ja.

00:24:11: Ich mein, ob du jetzt zwei Millionen Menschen mit einem Film erreichst über die du nichts weißt?

00:24:17: Die du nie gesehen ... Das ist ja nur eine Zahl!

00:24:19: Klar kann man sich dann freuen und sagen wie geil ich bin der allerbeste weil ich hab die Megarolle gespielt und alle finden mich toll.

00:24:26: aber mit denen hast du nicht zu tun.

00:24:28: Du hast sie nie gesehen und dir werden einfach nur Zahlen auf den Tisch gelegt.

00:24:31: klar kann man Freuen wenn man erfolgreich ist.

00:24:35: Ja, weiß ich nicht.

00:24:37: Damit endet es dann auch schon mit der Info

00:24:39: oder?

00:24:41: Also ich sage immer zu den Zuschauern Theaters wie Sex das heißt der da oben kann nur so gut sein wie die da unten.

00:24:49: also wenn ihr nicht mitmacht wenn keine Verbindung entsteht zwischen uns dann entsteht er auch nix und Ich spüre selber als Schauspieler, was es mit mir macht wenn die Leute voll bei mir sind.

00:25:00: Wenn sie mir eine Energie rüberschieben und das muss nicht nur der frenetische Schlussablaus sein sondern einfach dass Sie da sind, dass wir diesen Abend gemeinsam bestreiten und dann ist das wirklich ein Geben-und-Nehmen.

00:25:13: ja und wenn es denn tatsächlich passiert, dass man Standing Ovation von vierhundert Leuten kriegt, die wirklich zujubeln und dankbar sind für das was Sie gesehen haben dann macht das rein körperlich was mit einem.

00:25:25: Dass man wirklich geflasht ist, als hätte man gerade gekokst oder irgendwas anderes zu sich genommen so.

00:25:31: Schon cool!

00:25:32: Ja na klar... Das ist wahrscheinlich der Moment wo man so richtig Erfolg hat mit dem was man macht.

00:25:39: Also kommt Ihnen halt immer drauf an was du als Erfolg definierst?

00:25:43: Für mich war...

00:25:44: Na ja ein Stück weit auch persönlicher Erfolg.

00:25:46: Man hat an dem Abend das einfach toll gemacht und Ja und ist voll da gewesen, voll angekommen.

00:25:53: Energetische Vernetzung, es gibt ja auch viele Leute die sagen ich bin erfolgreich wenn mich möglichst viele Leute auf der Straße ansprechen weil sie mich kennen.

00:26:01: oder ich bin erfolgreich wenn ich mir verschiedene große Autos kaufen kann von meinem Geld oder irgendwie sowas und das sind Dinge die für mich nicht wirklich relevant sind.

00:26:11: Das ist doch schön Das finde ich gut.

00:26:15: Wir sind ja total bei Samen!

00:26:19: Ist am Ende des Tages auch ein bisschen egal.

00:26:22: Ja,

00:26:22: dann ist es einmal zum Kids zurückkommen weil für die Leute das ja... Ja, ich kann mir vorstellen ... Der behauptet das einfach die Wache sechzehn.

00:26:33: Ich meine, die fünfzehner sind doch die, die die ganzen Hartenfälle haben.

00:26:36: Sechszehn kennt kein Mensch.

00:26:37: und wieso?

00:26:39: Weil du schreibst ja auch, dass besonders harte Fälle waren an der Sechzehntin.

00:26:44: Mhm.

00:26:45: Was war das für Fälle?

00:26:47: Kannst ihr einmal so ein bisschen damit man einen kleinen Einblick in dein Buch kriegt, was da beschrieben wird?

00:26:56: Also ich glaube, dass die Fünfzehner – das war ja nicht Kindergeburtstag was sie gemacht haben.

00:27:02: Das waren keine Dornröschenwache, also so nennt man ja Wachen an denen nichts los ist.

00:27:05: Das war die Fünftin natürlich auch nicht.

00:27:07: Die waren ja auch mittendrin und hatten sehr viel mit Rotlicht zu tun.

00:27:11: Damals war es so, der Zuschnitt der Reviere noch ein bisschen anders war.

00:27:17: Also die Wache Fünfzin, die David-Wache hatte quasi die Reeperbahn und alles südlich davon bis runter zum Hafen war dann auch alles nördlich von der Repa-Bahn, also Hamburger Berg große Freiheit und so war da auch deren Revier.

00:27:32: Das gehörte aber in den Siebzigern und Achtzigern noch zur Wache Sechzehn – die sind quasi bis zu Repa Bahnrammen!

00:27:39: Und insofern gab es natürlich ganz viele Überschneidungen.

00:27:43: Aber während die Fünfzehner quasi in diesem sehr glamourösen weltbekannten Viertel unterwegs waren mit viel Leucht-Reklam und so was, die überall angebracht waren.

00:27:55: Waren im Revier der Sechzehner eben auch sehr viele ... So Trinker Kneipen!

00:28:01: Sehr viele Obdachlose, sehr viel Kaputte.

00:28:07: Wo man einfach... wo der Dienst nicht nur hart war weil man sich mit irgendwelchen Rotlichtgrößen Schlägerei geliefert hat das war ja eher die totale Ausnahme sondern du hast einfach mit sehr verletzten gescheiterten Existenzen zu tun, was eine große Belastung im Dienst darstellt.

00:28:29: Wenn du dann merkst dass die Regeln, die dir vorgegeben sind als Polizist nicht besonders gut funktionieren Und du versuchst irgendwie es trotzdem gut zu machen, diesen Job zwischen Scheref und Sozialarbeiter auf dieser Messerschneide sich zu bewegen durchs Viertel.

00:28:48: Dann ist das schon eine große Herausforderung, dann ist das kein Job den du am Dienstende einfach so da hängen lässt.

00:28:55: Ich habe ja selber einige Erlebnisse gehabt an der Wache XVI wenn ich zu Besuch war.

00:29:00: Da bin ich natürlich nie bei den krassen Einsätzen dabei gewesen.

00:29:03: Ich saß ab und zu im Streifenwagen, wenn dann wirklich was war ... Das

00:29:07: ist schon nicht erlaubt?

00:29:09: Ja aber wir reden von den Siebzigerjahren, das war halt ein bisschen anders.

00:29:14: Heute fährst du nicht mehr am Streifenwagen mit denen Hamburg, das kannst Du vergessen!

00:29:17: Da hat sich eine Menge verändert vieles zurecht und auch zum Guten hin und vieles wo man vielleicht noch mal drüber sprechen könnte.

00:29:28: Tatsächlich bin ich dann natürlich bei den ganz krassen Einsätzen ausgestiegen und habe mir das denn nur hinterher erzählen lassen, was passiert ist.

00:29:36: Aber es gibt die Situation, dass ich als fünftzehn- sechzehnjähriger Punk mit, mit Irokesenschnitt und veganer Lederjacke und hinten steht Old Cops Abarthsdarts drauf zusammen mit meinem Vater und seinen Kollegen im Aufenthaltsraum der Wache Sechzehnsitze... Das

00:29:53: fand nie lustig?

00:29:55: Oder

00:29:55: nicht so?

00:29:55: Ja, fand nie schon lustig!

00:29:58: genau genommen dachte ich damals, ich bin... Ich bin großer.

00:30:02: Aber die haben natürlich gedacht das ist ein fünfzehnjähriger Knirps der sitzt hier mit seiner komischen Frisur und so lass ihn doch es doch egal also.

00:30:08: Die waren alle ganz süß mit mir natürlich auch als Sohn eines Kollegen.

00:30:12: da hat man ja dann noch mal eine andere Rangehensweise.

00:30:17: auf jeden Fall saß ich mit denen zusammen und konnte nach und nach neben dieser ganzen zum Teil machohaft wirkenden Attitüde, die sie hatten.

00:30:27: Also auch mit Sonnenbrillen und dann in Slow-Motion durchs Viertel fahren.

00:30:31: Das ist ja auch geil!

00:30:34: Hatten die aber zum Teil sehr intensive Gespräche über ihre Einsätze?

00:30:39: Was ihnen da so widerfahren ist, was das gefühlsmäßig mit ihm gemacht hat... Und manchmal haben die sich nach der Schicht einfach noch zusammengesetzt mit einem Bier und haben erzählt, was ihm passiert ist im Laufe des Tages.

00:30:51: Das war Supervision, bevor es diesen Begriff überhaupt gab.

00:30:55: Und die waren sehr viel tiefgründiger als man es im ersten Moment vielleicht denken würde.

00:31:01: und wenn man dann mit denen zusammensitzt und plötzlich kommt ein Notruf rein und sieben, acht große breite Männer lassen ihr Franz Brötchen fallen und springen aus dem Fenster Rennen zum Streifenwagen und fahren irgendwo genau dahin wo gerade richtig die Scheiße am Dampfen ist... Dann empfindet man Respekt!

00:31:21: Dann sitzt du da als fifteen, sechzehnjähriger Junge und denkst schon irgendwie ganz schön geil was die hier machen.

00:31:26: Selbst als Punk?

00:31:27: Selbst als punk!

00:31:28: Und ich glaube genau diese Ambivalenz hat mich zum richtigen Mann gemacht diesen Roman zu schreiben.

00:31:38: also weil ich wirklich als Punk... ... ungute Polizeierlebnisse gehabt habe.

00:31:43: Was denn?

00:31:44: Geh mal in Einzelheiten, mussten die dich auch mal mitnehmen?

00:31:47: Die Kollegen deines Vaters oder deinen Vater selber?

00:31:49: Nee also wenn es jetzt tatsächlich so gewesen wäre dass ich irgendwie Scheiße gebaut hab und Polizei nimmt mich mit dann hätte ich das ja eingesehen.

00:31:58: Das war ja damals tatsächlich auf dem Kiez auch noch... So eine Einsicht da bei den Leuten, die sagten, ich hab den Schutzmann ja auch angerotzt oder auf die Fresse gehauen.

00:32:08: Natürlich werde ich jetzt

00:32:09: mitgenommen.".

00:32:10: Das ist ganz klar!

00:32:11: Heute würde man sagen nein und das stimmt alles überhaupt nicht und Anzeigen machen.

00:32:15: Keine Ahnung was?

00:32:15: Und damals war das irgendwie so.

00:32:17: der Schutzmann hat irgendwie auch schon recht mit dem, was er da macht.

00:32:20: Jetzt habe ich als Punk aber beispielsweise ... Auf der Anti-AKW-Demo in Brockdorf einfach gemerkt, da laufen Jungs wie ich rum, andere schmalbrüstige Öko-Zause mit irgendwelchen Pappschildern wenden sich gegen die Atomkraft und über uns fliegen Hubschrauber.

00:32:40: Und martialisch ausgestattete Polizisten schießen mit Tränengas – das ist nicht cool!

00:32:47: Da haben sie total überreagiert.

00:32:51: Das meine ich eben, dass ich nicht alles toll finde was Polizistinnen machen sondern dass ich schon sehr genau sehen kann wenn Einsätze entgleiten und in die falsche Richtung gehen.

00:33:01: Und trotzdem habe ich Polizisten halt auch immer wieder erlebt als einfach die Guten.

00:33:07: Insofern bin ich weder pro noch Kontra Polizei, sondern ich glaube, ich kann da sehr sachlich aus beiden Perspektiven...

00:33:13: Das ist differenziert!

00:33:14: Ja, ich glaube schon.

00:33:16: Das kann man ja nur sein wenn man sich mit etwas auskennt?

00:33:21: Aber als Punk hier auf dem Kiet, so Hafenstraße und so ... Du warst jetzt kein Besetzer.

00:33:26: Nee,

00:33:27: ich hab nicht selber mitbesetzt, aber ich bin natürlich in der Hafenstrasse gewesen und kannte da Leute in den besetzten Häusern im Karofviertel.

00:33:37: Das waren ja alles Leute aus meiner Peer Group sozusagen.

00:33:42: Aber ... Ja, Punk hatte auch ... ... dann sehr unterschiedliche Abzweigungen genommen.

00:33:50: Eine Freundin von mir hat mal gesagt, ich sei so eine Art Ottoversandpank,... ... weil die fand mein Zimmer immer viel zu ordentlich.

00:33:56: Ich war so ein ganz ordentlicher und habe immer alles aufgeräumt... ... aber hatte auch einen Iroh-und Lederjacke.

00:34:01: Und irgendwie passte das nicht so ganz zu

00:34:03: einem... Sprecht ja für so'n Wohlstandspank, ne?

00:34:05: Irgendwie!

00:34:06: Nee, Wohlstand war bei uns nicht so der Fall.

00:34:10: Wir sind ja in... Da haben wir Mümmelmannsberg gelebt, da bin ich aufgewachsen.

00:34:15: Und Geld war immer ein Riesenthema.

00:34:18: Also wir waren eher prekär, würde ich sagen und trotzdem hat sich die Pank Szene dann ja ganz unterschiedlich entwickelt.

00:34:26: Manche wurden dann eher so Ökopanks, manche waren eine Nazi-Punks und keine Ahnung was.

00:34:31: Insofern war ich nicht einer der Fertigen, die irgendwie dazu gekifft irgendwo Mönkebergbrunnen saßen oder irgendwie sowas.

00:34:42: Das war mir einfach zu dumm.

00:34:44: Nee,

00:34:44: du saß in der Wache!

00:34:46: Ich hab damals schon recherchiert.

00:34:49: Du wusstest das damals schon?

00:34:52: Was hast du denn für Situationen da erlebt an der Wachel?

00:34:56: Ist dir da irgendwas im Kopf geblieben was du selber dort erlebt hast?

00:35:01: Wie gesagt es sind tatsächlich eher die Erlebnisse in der.

00:35:09: Bei den Einsätzen konnte ich natürlich nicht dabei sein, das war ja viel zu gefährlich.

00:35:12: Das wurde mir dann immer nur erzählt.

00:35:15: aber wenn du in der Wache bist und siehst wie mit den Polizisten umgegangen wird hat sich auch sehr verändert dass in den in den Siebzigerjahren kamen zu Weihnachten noch die örtlichen Gastronomen und Ladenbesitzer.

00:35:32: Und haben dann Schinken, Keule und Weinkartons abgegeben.

00:35:36: sich bedankt beim Schutzmann dafür das alles so gut gelaufen ist im letzten Jahr.

00:35:40: Das war nicht der Versuch einer Bestechung, sondern es war wirklich Danke unter Nachbarn.

00:35:45: Und zehn Jahre später geht die Tür auf und ein Autonomer kommt rein, wirft einen Molotov-Cocktail in die Wache.

00:35:53: Also das ist mal eine andere Ansage, ein anderer Umgang mit der Polizei, ne andere Wahrnehmung...

00:36:00: Was tatsächlich passiert ist?

00:36:02: War dein

00:36:03: Vater da anwesend?

00:36:06: Weißt du gar nicht mehr.

00:36:08: Aber ich kenne natürlich die Geschichte von ihm.

00:36:10: Ich weiß jetzt nicht ob er dabei war.

00:36:14: Da stellt sich auch immer die Frage was ist das Ei, was ist die Henne?

00:36:18: Weil?

00:36:18: es gab dann natürlich Mahnwachen, an der Wache sechzehn wegen Polizeigewalt.

00:36:23: Es gab natürlich eine immer härtere durchgreifende Polizei weil sie vehement angegangen wurden und ihre Autos kaputt gemacht wurden.

00:36:30: Weil Polizisten im Auto saßen und plötzlich kommen sechs, sieben, acht Leute mit Baseballschlägern und zertrümmern den Streifenwagen von außen während da zwei Leute drin sitzen Und das schaukelt sich dann gegenseitig hoch.

00:36:43: Und irgendwann gab's dann nicht mehr den bürgernahen Beamten, der da durchs Viertel schlendert.

00:36:49: Sondern heute sind die halt alle im Zweifelsfall mit Schuss- und Stichsicherer Weste unterwegs.

00:36:56: Das ist ja schon extrem was sich da getan hat.

00:36:59: Die Wahrnehmung von Sicherheitskräften, von Polizeikräften.

00:37:05: Das wird immer absurder wenn man plötzlich immer häufiger hört wildfremde Leute auf Rettungskräfte einschlagen, wenn jemand ist gerade dabei und macht eine Herzdruckmassage bei einem Verletzten auf der Straße.

00:37:18: Und einer kommt vorbei und tritt den weg und man sagt, ist irgendwas im Trinkwasser?

00:37:21: Was ist los?

00:37:24: Das hat sich verändert.

00:37:26: Und dementsprechend darf man vielleicht auch nicht allzu überrascht sein, wenn sich die polizeiliche Rangehensweise verändert hat.

00:37:35: Ganz konkret erlebt, dass jemand reinkam in die Wache und er wurde vom Typen hinter dem Dresen von Polizisten gleich mal sehr vehement angefahren.

00:37:44: Was willst du?

00:37:45: So ja!

00:37:46: Und dann bin ich zu dem wachhabenden gegangen und habe gesagt Hannes das ist irgendwie komisch.

00:37:51: also hier kommt jemand rein hat vielleicht irgendein Problem sucht Hilfe und so und denn haut der Typ so einen Spruch raus.

00:37:57: Also ich würde mir echt komisch vorkommen wenn ich als Bürger hier reinkomme und so begrüßt werde und sagt ihr hast doch recht stimmt kann man eigentlich nicht machen.

00:38:04: Als Polizist musst du eigentlich alles, was am Tag vorher gewesen ist ... Alles, was du mit diesem Typen schon erlebt hast oder mit deiner Meinung nach vergleichbaren Typen, musst du wegstecken und wieder anfangen ganz von vorn zu sagen, guten Tag!

00:38:16: Was kann ich denn für sie tun?

00:38:17: Genau, wir können uns ja noch

00:38:19: gar

00:38:20: nicht sehen.

00:38:20: Das

00:38:21: ist halt Theorie.

00:38:23: Und Praxis ist, du bist nach dreißig Jahren auch echt ausgelutscht.

00:38:26: Und im Zweifelsfall sagt er, gibt es hier langjährige Polizisten, wo man sagen müsste eigentlich müsstest du dir einen anderen Job innerhalb der Wache suchen oder vielleicht sogar ein ganz neuen Job was anderes machen.

00:38:38: Aber wir wissen das alle.

00:38:39: wenn du dreißig Jahre in einem Job warst fängst du nicht mehr an einfach mal so einen neuen Berufsweg einzuschlagen.

00:38:47: Das kostet halt auch was wenn du ein Haus hast was du noch abzahlen musst und so.

00:38:51: und deshalb Ja ist es glaube ich immer ganz gut Mal hundert Meter in den Dienstschuhen des Anderen zu gehen.

00:38:57: Ja,

00:38:57: das ist eh immer gut.

00:39:01: Perspektive wechseln.

00:39:03: Gibt's irgendeine Situation?

00:39:04: Fällt dir was ein, was dein Vater damals vielleicht auch einer aus dem Buch ... Ich weiß es nicht.

00:39:09: Weil es ist ja schon an manchen Stellen fiktiv natürlich.

00:39:16: Aber irgendeinem Situation von damals, die du erinnerst, die deinen Vater sehr geprägt hat, irgendeinen Einsatz?

00:39:22: Mein Vater war ein erstaunlich ruhiger Mensch.

00:39:27: Wir sprechen diesbezüglich immer vom Enat gehen, weil ich und meine Brüder ... wir haben das auch.

00:39:31: Wir können also wirklich sehr lange sehr entspannt bleiben und immer so gar nicht reagieren.

00:39:37: So reagieren in der Geschwindigkeit von Kontinentalplattenverschiebung.

00:39:42: So immer erst mal Kogenmauer abwarten.

00:39:44: Und mein Vater war auch so ein... Das ist ihm im Dienst natürlich voll zu gute gekommen!

00:39:48: Und einmal waren eine große Punk-Demo.

00:39:52: Ich weiß gar nicht um was es ging aber es waren sehr viele Punks und Autonome dabei Und seine Aufgabe war es, im Streifenwagen zu sitzen und eine Straße zu sperren.

00:39:59: Ganz unaufwendig so als Streifenpolizist was man so macht.

00:40:03: Standard!

00:40:04: Und das Fenster ist runtergekurbelt und er hört sich fünf, sechs Stunden lang die fiesesten Beschimpfungen an... ...was er von Arschloch ins Scheißbulle trexen hat.

00:40:11: sie verpissd ich.

00:40:13: Das gipfelte darin dass irgendein Punk ihn durch die offene Fensterscheibe angespuckt hat.

00:40:19: Da ist bei ihm etwas durchgeglüht da ist er aus dem Wagen gesprungen und ist ihm hinterher gerannt um die Ecke und zieht dem die Beine weg.

00:40:29: Und da steht eine Wand von fünfzehn Fotografen, Mopo, Abendblatt, Tats, alles was man sich so wünscht.

00:40:36: Und machen einmal ein schönes Foto-Shooting während er das macht.

00:40:39: Ja und denn Christen ist natürlich doof gelaufen.

00:40:43: Und davon mal abgesehen dass es dann am nächsten Tag überall in der Presse war zu sagen So sind die Polizisten und das machen sie hier mit den Leuten hat er denen quasi Handschellen angelegt und in den Streifenwagen gesetzt.

00:40:55: Und war so aufgebracht, was man sich ja gut vorstellen kann weil das natürlich für die auch eine besonders stressvolle Situation ist dass beim Rückwärtsfahren des Streifenwagens noch gegen Laternfall gefahren ist.

00:41:08: Jubelfest für alle, weil sie Scheißbulle.

00:41:11: und jetzt machst du noch dein eigenes Auto kaputt.

00:41:14: Und dann hast du trotzdem im Gesicht bist total genervt, deinen Dienstwagen ist im Arsch und du kommst an die Wache und sagst ja was ist denn gewesen?

00:41:21: Ja da Standard wie immer so.

00:41:25: Das ist schon hart und das weiß ich dass mein Vater üblicherweise sehr ruhig geblieben ist, immer versucht hat zu mäßigen.

00:41:33: aber Ja, Reeperbahn, Sankt Pauli.

00:41:37: Das Endemielände?

00:41:39: Genau.

00:41:40: War er bei diesen Rotlicht-Einsätzen jetzt Eros Center ... Du beschreibst ja in dem Buch diese Messerstecherei, diese sehr groß angelegte Messersticherei im Eros-Center damals während der Kriege zwischen Rotlicht Milieu und Rockern, genau, Helds Angels?

00:42:00: War er dabei oder ...

00:42:03: Er war bei verschiedenen Einsätzen dabei, das war ja nicht nur im Eros-Center.

00:42:07: Die Hells Angels haben wir versucht an verschiedenen Stellen die ihre Stellschrauben anzusetzen und Geld zu erpressen.

00:42:16: Insofern hatte der immer mal wieder mit denen zu tun.

00:42:19: Und ich weiß jetzt nicht im Einzelfall ob er tatsächlich bei dieser spezifischen Messerstecherei dabei war.

00:42:27: Mein Vater ist halt auch, der ist neunundneinzig gestorben Und ich habe ja im Jahr zwei Tausend vierzehn angefangen wirklich intensiv in das Material einzusteigen.

00:42:36: Insofern hab' ich sehr viel mit seinen ehemaligen Kollegen gesprochen, also zum Teil heute noch leben und hab mir da sehr vieles erzählen

00:42:45: lassen.".

00:42:46: Wie war das für dich?

00:42:48: Diese ganze wirklich aufwendigste Recherche?

00:42:52: kannst du ein bisschen was von Making of sozusagen erzählen, was du da erlebt hast?

00:42:58: Das stelle ich mir auch vor!

00:43:00: Wer also nicht kräftezehrend mit Sicherheit ist, aber auch bestimmt so irgendwelche Erkenntnisse oder...

00:43:05: Super interessant in jedem Fall.

00:43:07: Weil erst mal haben die in der Regel alle Bock drauf gehabt das zu erzählen weil das auch für die eine große wichtige Zeit war und die wollten einfach es rauslassen.

00:43:19: Und was ich einmal erlebt habe, war ein Kollege meines Vaters Jochen Liesmann der leider mittlerweile verstorben ist.

00:43:26: Der saß in meinem Wohnzimmer und erzählte eben auch von seiner Dienstzeit an der Seite meines vaters und er erzählten von einer Geschichte wo er im Dienst die Waffe ziehen musste weil er sich bedroht sah also Todesangst hatte und letzten Endes ging das alles glimpflich ab.

00:43:48: Es wurde keinen Schuss gelöst, kein Schuss ist gefallen, niemand wurde verletzt.

00:43:53: Aber er erzählt mir das und weinte – dreißig Jahre, vierzig Jahre nach diesem Einsatz!

00:44:00: Und dann habe ich gedacht Boah... Man muss echt selber dabei gewesen sein, um zu begreifen was für eine Intensität das hat.

00:44:08: Weil wenn wir so etwas als Drehbuchautoren erzählen würden oder hatten Polizist seine Waffe gezogen und hatte sie wieder weggesteckt... Das ist nicht Abendfilm!

00:44:15: Er hätte dich mal geschossen?

00:44:16: Ja genau deshalb brauchen wir heute in jedem Tatort die Albaner Mafia mit Maschinengewehren und Flammenwerfern und so damit wir irgendwie noch mal wach werden und sagen oh es scheint offenbar dramatisch zu sein Und ich habe das erlebt und hab gedacht Was ich schaffen möchte in diesem Roman, selbst wenn es nicht hundertprozentig alles so passiert ist wie es da steht.

00:44:37: Ich möchte wirklich glaubhaft die Atmosphäre vermitteln was damals passiert ist und wenn es mir gelingt das Drama dieser Person ernsthaft zu erzählen ohne noch irgendwas draufzusetzen an Eskapismus Dann habe ich es geschafft, dann ist das gut.

00:44:55: Ist auch Offenkeets eigentlich nicht nötig?

00:44:57: Gerade nicht in den Siebzigern oder Achtzigern als heutzutage?

00:45:00: Nein aber das ist ja eben auch etwas was.

00:45:02: in den siebzigeren war es ja noch total unüblich Schusswaffen zu haben.

00:45:05: Das war ja Tabu weil alle klug genug waren.

00:45:08: so sagen wenn einer damit anfängt, was wir beim Mucki Pinzner gesehen haben, dann haben alle welche und dann eskaliert das hier ganz furchtbar.

00:45:17: Und deshalb haben die Jahre lang drum gerungen und zu sagen, Waffen sind hier tabu.

00:45:21: Wir gehen mit Knüppeln und Fäusten aufeinander los aber was anderes machen wir nicht.

00:45:25: Na

00:45:28: ja, und Messern?

00:45:29: Ja genau!

00:45:30: Irgendwann kam dann Messer und irgendwann kam dann Pistolen natürlich und dann wurde das eben immer extremer und es gab Tote.

00:45:37: Was meinst du der Kollege Jochen hieß er?

00:45:42: Warum hat er geweint?

00:45:43: Das hat ihn noch so sehr bewegt, weil er diese Todesangst damals hatte oder weil er überhaupt seine Waffe gezogen hat im Dienst.

00:45:51: Was hat in daran ...

00:45:52: Todes angst!

00:45:53: Diese Todes-Angste, die er immer noch nicht vergessen konnte.

00:45:55: Die er immer für spürte und das ist ein Trauma was du mitschläbst.

00:45:59: Und der erzählte noch eine andere Geschichte von zwei Kollegen, die im Streifenwagen saßen Ich weiß nicht, ob es Autonome waren.

00:46:10: Die mit Baseballschlägern und Latten diesen ganzen Wagen klein gehauen haben.

00:46:14: Dann schrien unsere Kollegen über Funk wie Schweine die abgestochen werden um Hilfe.

00:46:22: Und du sitzt da und weißt oh Gott ich kann jetzt nichts machen weil sie sind ewig weit weg und die Treifenwagen müssen hier zusammengerufen werden.

00:46:31: keine Ahnung.

00:46:31: was aber ist?

00:46:32: natürlich eine unheimliche Belastung.

00:46:36: Und der Kollege der Jochen, was war das für eine Situation?

00:46:39: Weil du beschreibst ja einmal eine Situation in einer Kneipe, wo es so ausartet.

00:46:43: Wo dann der Polle in die

00:46:46: Decke

00:46:46: schießt

00:46:47: ... Ja!

00:46:48: War das

00:46:49: eine Bedeckungssituation

00:46:51: oder was?

00:46:51: Er wurde da bedroht von anderen Leuten weiß jetzt nicht mehr genau, was für ein Einsatz das war.

00:46:58: Okay... Du beschreibest ja hinten zählst du ja auch Menschen auf, die dich beraten

00:47:03: haben.

00:47:05: Du teilst das so einen in Presse glaube ich, Blaulicht und Rotlicht?

00:47:09: Ja genau.

00:47:10: Unter anderem glaube ich Thomas Hirspiegel ne?

00:47:12: Ja, genau!

00:47:13: Mein Ausbilder, mein Mentor her... Ach guck

00:47:15: mal!

00:47:16: Die Thomas hat ja viele

00:47:18: Jahre zusammengearbeitet.

00:47:19: Genau der hat ja sehr früh angefangen zu fotografieren an der Sechzehn also ursprünglich war glaube ich nur Fotograf und dann hatte angefangen als Polizeireporter eben auch zu berichten Und der erkennt sich natürlich wahnsinnig gut in der Zeit aus.

00:47:33: Der hat mir glücklicherweise auch das sein Archiv aufgemacht, also ich war im Mopo-Archiv und konnte dann die ganzen Artikel raussuchen.

00:47:40: Aus dieser Zeit ist es natürlich auch ein Schatz gewesen ja?

00:47:42: Ja!

00:47:43: Dann hatte ich mit Günther Zindt, der hier hinter mir hängt ... Den habe ich halt auch getroffen, der hat mir auch vieles erzählt... Insofern habe ich wirklich versucht sehr breit Information einzuholen aus unterschiedlichen Ecken.

00:47:58: Wie war das?

00:47:58: Wie bist du an die Kontakte unter dem Stichwort rotlich gekommen, da stehen ja nur Damen mit Vornamen oder abgekürzten Nachnamen.

00:48:07: Ja genau!

00:48:08: Wie bist Du daran gekommen?

00:48:10: Das sind zum Teil persönliche Kontakte und zum Teil Leute, die mir genannt wurden also wo der Kontakt vermittelt wurde.

00:48:22: Prostituierte.

00:48:23: Ex-Prostituierte

00:48:24: Und die hast du dann interviewiert?

00:48:26: Genau.

00:48:26: Und die haben das alles nochmal aus ihrer Sicht geschildert und dass... Das, also sowohl die Gespräche mit diesem Prostituierten und den Polizisten, die haben einfach dazu geführt, dass mir immer klarer wurde.

00:48:39: ich möchte die siebziger-achtziger Jahre Reeperbahn nicht aus Perspektive des Rotlichts erzählen.

00:48:44: Nicht aus der Perspektiv von Zuhältern weil das Problem ist unterm Strich Erlebe es immer wieder, ob bei Spiegel TV oder in der Mopo oder wo auch immer.

00:48:55: Es gibt halt immer wieder diese Berichte über diese irgendwie auch ganz spannenden Typen Karate-Tommy und Lachschuh-Dieter und wie sie alle heißen Dakota Uwe Und alle haben so ihren Heldenmythos.

00:49:10: und irgendwie sind sie auch schräg mit ihren blondierten Haaren und ihren Goldkettchen und ihren gelben Autos.

00:49:16: Was immer zu kurz kommt und was auch bei Luden von Amazon zu kurz gekommen ist, ist einfach das Saarschlöcher sind.

00:49:23: Dass die einfach Leuten sehr übles angetan haben für Geld.

00:49:29: Und in der Regel Frauen.

00:49:31: Mit Frauen umgegangen sind wie man mit niemandem umgehen sollte – schon gar nicht mit einer Frau!

00:49:36: Das haben Polizisten wenn ich täglich wöchentlich mit gekriegt, wie Frauen mit breit geschlagenen Gesichtern an die Wache gekommen sind.

00:49:47: Die Polizisten haben sich immer darum bemüht, Prostituierte zu behandeln wie jede andere Frau auch.

00:49:55: Und Zuhälter zu behandelen wie jeden anderen Verbrecher auch.

00:49:58: Also da wirklich eine klare Trendlinie zu ziehen.

00:50:02: Eine

00:50:03: totale Romantisierung?

00:50:04: Was ist das eigentlich?

00:50:05: Na klar!

00:50:05: Genau und das wollte ich vermeiden.

00:50:07: Du

00:50:07: hast auch mit Pauli gesprochen weil du mal pausen, oder?

00:50:10: Nee.

00:50:11: Mit dem nicht?

00:50:12: Im Rotfuchs?

00:50:13: Weil der ja auch ... große Erfahrungsschätze hat.

00:50:17: Vielleicht brauchst du ihn ja noch mal für ein weiteres Buch, den Rotfuchs-Zivilfahner?

00:50:22: Ja

00:50:22: die einen sagen so und die anderen so.

00:50:24: also das ist ja auch so dass Leute in der Zeit dabei waren dann auch unterschiedliche Meinungen haben über.

00:50:30: Ich bin mir jetzt sicher, dass auch viele Leute über meinen Roman unterschiedlich denken und sagen, der hat gar keine Ahnung oder weiß ja gar nichts.

00:50:38: Und so ist es eben... Er war

00:50:39: ganz anders!

00:50:40: Genau, genau.

00:50:41: Ja aber das hast du immer?

00:50:43: Genau.

00:50:43: und deshalb war's für mich eben auch wichtig zu sagen, das ist autofiktiv.

00:50:47: Das basiert auf meiner Familiengeschichte, das basiert darauf realen Ereignissen auf dem Kiez.

00:50:52: Aber wenn es hier und da nicht stimmt, ist mir egal, habe ich keine schlechte Nacht von...

00:50:57: Es ist ein Roman

00:50:58: ne?!

00:50:58: Es ist einfach ein Roman.

00:50:59: Du hast vorhin angedeutet, also du bist in Mümmelmannsberg aufgewachsen und darf ich dich einmal nach deiner Mutter fragen?

00:51:05: Weil du hast angedeutet dass deine Mutter irgendwie eher Coming Out

00:51:08: hatte?

00:51:10: Ja meine Mutter... Das sind ziemlich

00:51:11: ja jetzt!

00:51:13: Ja das ist auch eine interessante Geschichte.

00:51:15: wir wohnten damals im Kölwitzringen in Müllmannsberg so eine ganz schöne bungalow Siedlung gewesen.

00:51:23: Da sind, glaube ich in der Straße so acht, neun, zehn Bungalows.

00:51:26: nebenan da und ich glaube in sieben oder achter von wohnten Polizisten mit Männern mit Schnauzbad mit einer Frau und zwei Kindern.

00:51:35: Wir waren die einzigen, die vier Kinder hatten.

00:51:39: Das ist ja schon völlig unanstehbar!

00:51:41: Ja

00:51:41: genau auf jeden Fall war das so eine klassische Polizistensiedlung.

00:51:48: Meine Mutter hatte Mitte der Siebziger, also ich glaube Sechsun-Siebzig ihr lesbisches Coming Out und hatte dann eine Freundin.

00:51:56: Und mein Vater ist ausgezogen.

00:51:58: Die haben sich getrennt und diese Freundin zog zu uns.

00:52:02: Wir waren plötzlich in dieser Polizistensiedlung so ein Der Lesbenhaushalt.

00:52:07: Ich war damals neun und bin dann quasi mit zwei Müttern aufgewachsen.

00:52:15: Das war für mich auch nicht so dramatisch, ich glaube schwieriger war das für meine älteren Geschwister.

00:52:21: Weil die alle schon in der Pubertät waren dann eben auch Klassenkameraden und Kameradinnen hatten, die das alles nicht verstanden haben und Sprüche gebracht haben.

00:52:29: War ja auch eine echt andere Zeit ne?

00:52:31: Absolut!

00:52:31: Also das musstest du dich in den siebzigern

00:52:34: erst

00:52:34: mal trauen.

00:52:34: Und meine Mutter war weil du so konkret nach ihr fragst.

00:52:37: Sie war beim Landessozialamt angestellt.

00:52:41: Die hat zwischendurch ihre Gehalt aufgebessert indem sie so Tupperpartys gemacht hat.

00:52:45: Die hatte sowas ganz ... spießig normales einerseits und andererseits war die plötzlich in dieser Lesbenszene... ...und war im Carmelot, in der Lesbendisko hier auf der Reparbahn.

00:52:57: Und das war so eine ganz andere Welt!

00:53:01: Ich weiß dass sie bis zum Schluss eigentlich immer... Gezweifelt hat, ob das so gut war mein Vater zu verlassen.

00:53:11: Ob man das mit dem Bungalow ... Dann hätte man da die Kinder und die Enkelkinder noch groß werden sehen können.

00:53:17: Und so ist das alles auseinander gefallen.

00:53:19: Diese ganze Familie ist irgendwie kollabiert.

00:53:23: Und sie war bis zum Schluss in diesem Zwiespalt.

00:53:27: ich möchte eigentlich ein ganz klassisches Leben mit einem Mann an meiner Seite und alles soll gut werden oder eine Frau an meiner seite und alles irgendwie anders.

00:53:36: Auch gut, aber irgendwie anders.

00:53:40: Also mit dieser Frau schließlich.

00:53:41: daraus ist sie nicht zusammengeblieben?

00:53:44: Nee, Sie hatte dann tatsächlich wechselnde Freundinnen und zwischendurch auch wieder Männer.

00:53:50: also es war ein ewiges Hin- und Her und sie hat sich da irgendwie nie richtig finden können was auch dramatisch für sie war.

00:53:56: Und das Tolle an ihr war.

00:53:59: aber wenn ihr jemandem dumm gekommen bist dann war die so klar... ich erinnere dass Die Eltern ihrer Freundinnen kamen bei uns zu Besuch in diese Polizistensiedlung.

00:54:11: Und die Mutter der Freundin, die kam rein zu Kaffee und Kuchen an einem Sonntag oder so... ...und der Vater von der Freundine, der blieb draußen im Auto sitzen und weigerte sich diesen Lesbenhaushalt zu betreten.

00:54:22: Dann ist meine Mutter zu dem rausgegangen und hat den einmal rund gemacht.

00:54:25: Hat dem einmal gesagt was Sache ist?

00:54:28: Der ist ganz klein geworden und ist dann mit reingekommen.

00:54:31: Seitdem waren die beste Freunde.

00:54:35: duckmäuserig und so, sondern die war zwar selber unsicher aber wenn jemand was kritisiert hat in dem was sie getan hat ist die sehr gerade geworden.

00:54:44: So leise die Enat Männer werden können zusammen können die enat Frauen werden?

00:54:49: Ganz

00:54:49: genau!

00:54:50: Ja

00:54:50: nicht schlecht das eigentlich passt ja

00:54:51: ganz wunderbar zusammen.

00:54:53: Da haben sich zwei gefunden auf jeden Fall.

00:54:55: Aber hattest du immer Kontakt auch zu deinem Vater?

00:54:59: Das war ja damals leider so, dass das ganz klassisch war.

00:55:02: Wenn sich Eltern getrennt haben, dann war der Vater nur noch ein Besuchsvater am Wochenende.

00:55:07: Das ist heute glücklicherweise anders, dass man sich Kindererziehung wirklich teilt.

00:55:13: im Idealfall und das war aber so, ich habe ihn selten gesehen natürlich, wir haben uns immer gut verstanden.

00:55:21: Ja!

00:55:22: Und du bist ja selber ... auch auf den Kiezmann gezogen.

00:55:26: Du hast hier ja auch mal gelebt, wie alt warst du da?

00:55:30: Also ich bin mit siebzehn ins Karo Viertel gezogen was schon eine wichtige Zeit war eben auch im Vierteln meines Vaters.

00:55:35: Siebzehnt

00:55:36: ganz schön früh!

00:55:38: Ja, ich wollte einfach weg zu Hause und dann bin ich glaube ich so mit einundzwanzig zweiundzwantig in die Seilerstraße gezogen ne in die Hain-Heuer Straße Eckeseilerstraß weil in der Seiler Straße war die Schauspielschule, die ich damals besucht habe Und wohnte quasi dann um die Ecke und das war auch eine sehr prägende, sehr wilde Zeit.

00:56:02: So Ende der Achtziger auf dem Kiez.

00:56:05: Ja

00:56:06: aber dann ja ganz bewusst für Kiez wieder entschieden!

00:56:09: Ja, genau.

00:56:10: Das war natürlich dann irgendwann ... Also das war ja eine Hammerzeit!

00:56:15: Ich erinnere mich, dass es damals noch zwei wirklich ernstzunehmende Kinos gab, nämlich des Aladin und die Oase.

00:56:22: Nicht nicht Porno-Kinos, sondern wo normale Kinofilme liefen aus Amerikaner.

00:56:26: Rambo, Rocky... Keine Ahnung

00:56:28: was.

00:56:28: Oase da, wo Pulverfass jetzt ist?

00:56:30: Genau.

00:56:31: Und Aladin,

00:56:32: wo Aladin Center hat.

00:56:33: Ja genau.

00:56:37: Die hatten Dienstag, Nacht um zwei Uhr die letzte Vorstellung.

00:56:42: Also wochentags, nachts um zwei konnte man da ins Kino gehen bis vier und danach ist man dann in italienisches Restaurant gegangen hat noch was gegessen so.

00:56:51: na das war wirklich ein bisschen new yorks kann man sich ja heute gar nicht mehr vorstellen.

00:56:54: hier sehr oft dann einfach auch schicht im schacht dann gibt es nur noch so die abstürz leben aber so dass man einfach hier immer irgendwie wach sein konnte Leute getroffen hat das war schon cool.

00:57:05: Ja, wie empfindest du den Kids heute?

00:57:08: Bist du hier überhaupt noch manchmal?

00:57:10: Viel viel seltener.

00:57:12: Also natürlich immer wieder wenn Leute von außerhalb zu Besuch kommen dann verbringt man hier natürlich mal die Zeit.

00:57:17: oder wenn ich ins Theater gehe oder so... Ich finde die Entwicklung schon ganz gut!

00:57:21: Wenn ich mir Vorstelle damals der Spielbudenplatz noch mit diesen kleinen Pavillons und so.

00:57:26: Und die ganzen Drogendealer dazwischen, alles richtig ranzig und runter.

00:57:31: Dann hat das natürlich schon eine gute Entwicklung gemacht, dass es einfach verschiedene Theater gibt.

00:57:37: Dass es eine große Kulturszene gibt, die zunehmend wächst... Das finde ich schon ganz klasse!

00:57:42: Was die Gastronomin anbelangt hast du ja auch beides.

00:57:45: Du kannst dir wirklich sehr gut essen und hast sehr stylische Bars.

00:57:49: Und du hast nach wie vor die totalen Abstürzleden.

00:57:51: für jeden was dabei noch.

00:57:52: Ja, das schon!

00:57:53: Aber du hast natürlich auch... Also ich gehe hier am Wochenende ehrlicherweise.

00:57:58: Ich liebe den Keats und finde es toll hier zu sein aber am Wochenendenabend vergiss es keinen

00:58:03: Bock.

00:58:04: Man nennt es ja in New York, sagt man immer Tunnel and Bridge also die Leute, die von außerhalb kommen nach Manhattan rein und dann feiern und das ist hier auf der Reeperbahn natürlich auch so dass am Wochen Ende die ganzen Leute aus Haarburg und Pinnenberg kommen und dann hier feiern.

00:58:22: Das war aber in den Achtzigern nicht anders.

00:58:25: Ja, kam auch schon die Touristin!

00:58:28: Hast du hier irgendeinen Ort auf dem Kiez wo du sagst da lebt das alte St.

00:58:32: Pauli noch?

00:58:33: Gibt's irgendwas was du kennst wo vielleicht mal hingehst oder so?

00:58:37: Oder gibt es das bald ihr gar nicht?

00:58:40: Nee.

00:58:41: Irgenden alten Laden?

00:58:42: Nein

00:58:42: also ich glaube dass ist einfach...das ist zu lange her.

00:58:45: Dass dich eine Gastronomie über fünfzig Jahre hält oder vierzig.

00:58:49: das ist ja eher unwahrscheinlich.

00:58:51: Nee, für uns... Ja und so

00:58:52: ein paar alte Kneipen gibt's ja noch.

00:58:54: Aber haben sich natürlich auch ein bisschen verändert.

00:58:56: also ein paar tatsächlich die sich wenig verändert haben und wo

00:59:00: auch wirklich noch die

00:59:01: Kizjana da ist.

00:59:01: Für mich war immer

00:59:02: die Marktstube im Karolinviertel.

00:59:04: das war mein Laden also wo ich mich mit meinen Kumpels und meinen Pankkumparen getroffen hab.

00:59:09: Das war so'n Pankladen die Markt-Stube.

00:59:11: Ach hat das nicht Yuri

00:59:12: gemacht?

00:59:13: Meck war das.

00:59:14: Meck hieß der Wirt Und das war ein ganz, ganz wichtiger Laden.

00:59:19: Aber ich bin auch gar nicht so sehr der Kneipentyp immer gewesen.

00:59:22: Für mich war dann natürlich Thema Schauspielschule dann irgendwann die Theater viel interessanter Und als dann das Schmitteater aufmachte, war das natürlich interessant.

00:59:32: Dass es plötzlich eine Tresenschow gab, wo man Freitag und Samstag Nacht unangekündigt auf den Tresen gehen konnte und was machen konnte – und das war schon super!

00:59:40: Was hast

00:59:40: du denn gemacht?

00:59:41: Ja, da konntest du raufgehen auf die Bühne und hast Musik gemacht, irgendwas gesungen oder Szenen gespielt oder keine Ahnung... Hauptsache, die Leute haben's gemocht.

00:59:50: Hauptsaches?

00:59:51: Die Leute haben es gesehen!

00:59:52: Ja

00:59:52: genau.

00:59:53: Kann ich egal auf sich mögen und dann ist mir doch egal... Ich fang gerade erst

00:59:57: an.

00:59:58: Ich

00:59:58: will viel halten ein bisschen.

01:00:02: Was glaubst du was dein Vater zu dem Buch gesagt hätte?

01:00:05: Wäre der stolz?

01:00:08: Ja also ja auf jeden Fall.

01:00:11: Ich weiß nicht wie explizit er das formuliert hätte weil er natürlich auch immer so so.

01:00:16: ja ich weiß er hat Das allererste Drehbuch, was ich geschrieben habe.

01:00:22: Nr.

01:00:22: und neunzig, das hieß Schweinebullen.

01:00:25: Die Polizeithematik zieht sich durch mein Leben genauso wie durch seine, nur eben von schauspielerischer oder autoren Seite aus.

01:00:32: Und es war ein geiles Buch über einen deutschen und türkischen Ermittler die sehr hart zur Sache gehen, eben Schweinebullen.

01:00:40: Und er hat das gelesen und hat gesagt ja also ganz so ist es jetzt bei der Polizei nicht.

01:00:48: Aber für ein Drehbuch ist das schon okay.

01:00:51: Und ich glaube, für den Roman würde er wahrscheinlich sagen ja ganz so war das jetzt nicht.

01:00:55: aber als Roman ... Der ist halt einfach nicht so euphorisch gewesen, aber insgeheim hatte ich zum Beispiel auch mit meinen beiden älteren Brüder wir hatten eine Band zusammen.

01:01:06: Wir waren vier, wir hatten noch einen vierten Mann dabei, Schlagzeuger und hatten so ne Punkband Und er ist öfter in den Probenraum gekommen und hat sich das angehört.

01:01:14: Das muss furchtbar gewesen sein, was wir gemacht haben.

01:01:17: Aber er war irgendwie ganz stolz, dass seine Jungs da zusammen Musik machen... Ich meine,

01:01:23: wie cool es ist, wenn du als Eltern deine Kinder zusammen egal welcher Art von Musik musizieren.

01:01:31: Kelly Family auf

01:01:32: Hank!

01:01:33: Nein ich glaube, er hätte das in jedem Fall gemocht.

01:01:38: Es ist ihm ja nun auch gewidmet?

01:01:40: Ja genau

01:01:41: Ja, schön.

01:01:42: Verkauft sich das gut?

01:01:45: Überraschenderweise ja!

01:01:48: Der Verlag ist mit einer relativ hohen Auflage gestartet.

01:01:52: Er hat darauf vertraut, dass es sich gut verkauft und jetzt ist der Junius-Verlag nicht so ein Riesenverlag, die sind aber in Hamburg ganz gut aufgestellt.

01:02:00: Das heißt, in den Hamburger Buchhandlungen liegt das Buch tatsächlich auch aus.

01:02:04: Man muss nicht nur reingehen und sagen ich möchte den Roman von Michael Ehnert, sondern er liegt da tatsächlich ganz konkret.

01:02:11: Und jetzt hat mir letztens ein Freund ein Foto geschickt aus der Heimann-Buchhandlung in Ahrensburg.

01:02:18: Dann stand das Buch im Bestzellerregal und dann sag ich, ah, witzig!

01:02:22: Hast du reingestellt?

01:02:24: Und dann sagt er ne, nee, die Verkäuferin hat gesagt es verkauft sich wie warme Semmeln.

01:02:29: Da habe ich mich natürlich tierisch gefreut.

01:02:31: Jetzt weiß ich, dass ist nicht überall der Fall aber es ist auf jeden Fall überall zu haben.

01:02:36: Die Presseaufmerksamkeit ist relativ groß Und vor allem, was mich eben positiv stimmt ist dass alle Leute die es lesen supergeile Kritiken geben.

01:02:47: Also man kann bei Talia oder bei Amazon oder so Kritiklesen von Leuten dies gelesen haben und die Leute realisieren was das ist ein gut geschriebener Roman der zudem noch superintensiv recherchiert ist und es ist kein Krimi wo irgendein Kommissar einen Fall löst und trotzdem ist es hoch spannend.

01:03:06: Ich finde damit können wir jetzt.

01:03:12: Das ist doch ein perfektes Ende, oder?

01:03:14: Hochspannend

01:03:15: war das letzte Wort.

01:03:16: Klasse!

01:03:17: Ich danke dir sehr für dieses Gespräch und wünsche dir alles als

01:03:20: Liebe.

01:03:20: Danke, vielen Dank für die Einladung.

01:03:27: Wir bedanken uns für die Unterstützung von kulkietsturen.de Seit zwanzig Jahren Deutschlands bekannteste Anbieter von St Pauli Führung Mit einer bunten Vielfalt außergewöhnlicher Guides Von der anerkannten St Paulie Historikerin Über Promis aus der Olivia Jones Familie Bis zur engagierten Sexworkerin.

01:03:43: Viele der Geiz waren auch schon bei uns im Kiezmenschen-Podcast zu Gast.

01:03:46: Ein Best of gibt's auf kultkietztonen.de slash Kiezmenschen.

01:03:51: Wenn ihr Lust habt, schaut doch mal bei Insta nach Kiez Menschen.

Über diesen Podcast

Von Rotlicht bis Blaulicht, von Glamour bis Gosse – jede Woche trifft die MOPO Menschen, die den Hamburger Kiez prägen. Sie nehmen uns mit in ihre Welt, plaudern offen über Persönliches und legendäre Geschichten. Diese Menschen sind es, die den weltweiten Ruf von St. Pauli ausmachen. Herzlich, persönlich, nah dran. Der Podcast erscheint begleitend zur Serie „Kiezmenschen“ in der Wochenendausgabe der Hamburger Morgenpost.

von und mit Hamburger Morgenpost

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